covivio
covivio ist ein interaktives Online-Programm für Menschen mit Typ-2-Diabetes, dessen Wirksamkeit derzeit in einer wissenschaftlichen Studie untersucht wird.
Über covivio
covivio: digitales Programm für Typ-2-Diabetes im Rahmen einer Wirksamkeitsstudie
covivio ist ein interaktives Online-Programm, das sich an Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 richtet. Entwickelt wurde es nach eigenen Angaben von Fachleuten aus Medizin und Psychologie und stützt sich auf wissenschaftlich überprüfte Methoden und Techniken moderner Therapieansätze. Das Programm führt einen digitalen Dialog mit den Nutzern, zeigt Einflussfaktoren auf die Erkrankung auf und begleitet sie dabei, diese Schritt für Schritt anzugehen. Die Anwendung ist als persönlicher Berater im Taschenformat konzipiert, der informiert und motiviert, individuelle Ziele in den Bereichen Bewegung, Ernährung, Schlaf und Stressmanagement zu erreichen. Nutzer arbeiten damit zeitlich und örtlich flexibel und im eigenen Tempo.
Das Programm soll Unsicherheiten auffangen, etwa bei einer kürzlich gestellten Diagnose, und auch Menschen unterstützen, denen nach längerer Erkrankung die Motivation für eine dauerhafte Lebensstiländerung fehlt. Ein weiteres Ziel ist, Betroffenen den Zugang zu covivio über die Krankenkasse zu ermöglichen.
Die Wirksamkeitsstudie und ihr Ablauf
Im Mittelpunkt der Website steht eine wissenschaftliche Studie zur Wirksamkeit des Online-Programms. Interessierte melden sich über ein Kontaktformular an und erhalten automatisch weitere Informationen sowie einen kurzen Fragebogen mit einer Dauer von etwa 15 Minuten. Anschließend prüft das Studienteam per E-Mail in einer Online-Befragung, ob die Teilnahmevoraussetzungen erfüllt sind. Liegen alle Kriterien vor, ist eine Diagnosebescheinigung über den Diabetes zu übermitteln. Es folgt ein kurzes Telefonat zur Eignung sowie ein Videocall, in dem das Anbringen eines Freestyle-Libre-3-Sensors begleitet wird.
Bei Aufnahme entscheidet das Zufallsprinzip, ob Teilnehmende direkt für sechs Monate einen Online-Zugang zu covivio erhalten (Interventionsgruppe) oder nicht (Kontrollgruppe). Der Vergleich beider Gruppen dient der wissenschaftlichen Prüfung des Nutzens. Nach drei und nach sechs Monaten füllen beide Gruppen erneut Online-Fragebögen aus. Zu Beginn und nach sechs Monaten werden zudem die Gewebezuckerwerte über jeweils zehn Tage mit einem Freestyle-Libre-3-Sensor erhoben; den Sensor stellt das Studienteam bereit.
Teilnahmevoraussetzungen und Entschädigung
Teilnehmen können Personen ab 18 Jahren mit Diabetes mellitus Typ 2, die covivio zusätzlich zur gewohnten Behandlung einsetzen. Erwartet werden Motivation, Zeit, Durchhaltevermögen und Zuverlässigkeit: Die Teilnahme dauert insgesamt sechs Monate mit Online-Befragungen zu Beginn sowie nach drei und sechs Monaten. Auch wer covivio nicht zusagt, wird gebeten, bis zum Studienende dabei zu bleiben, damit die Ergebnisse aussagekräftig sind.
Für die Befragung nach drei Monaten ist eine Aufwandsentschädigung von 10 Euro vorgesehen. Nach vollständiger Datenübermittlung der Messung nach sechs Monaten und ausgefüllter Abschlussbefragung sind es 50 Euro. Die Entschädigungen werden als Gutschein von wunschgutschein.de ausgegeben. Die Befragungen finden ausschließlich online oder telefonisch statt; während und nach der Studie entstehen nach Angaben der Seite keine Kosten. Die Daten werden ausschließlich im Rahmen der Studie verwendet und nicht an Dritte weitergegeben.
Ziel der Studie: Zulassung als digitale Gesundheitsanwendung
Die Studie soll klären, inwieweit das Online-Programm Betroffenen hilft und ob es als digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) zugelassen werden sollte. Nach einer DiGA-Zulassung könnte covivio von Ärzten und Therapeuten verschrieben und die Kosten von den gesetzlichen sowie vielen privaten Krankenkassen übernommen werden. Die Teilnahme ist freiwillig; Datenschutz und Risiko-Nutzen-Bewertung werden als gewährleistet bezeichnet. covivio entspricht nach eigenen Angaben der Datenschutz-Grundverordnung und ist unabhängig von der Pharmaindustrie.
Forschungsträger GAIA
Hinter der Studie steht GAIA, ein Anbieter mit nach eigener Darstellung mehr als 20 Jahren Erfahrung mit innovativen Versorgungskonzepten und digitalen Gesundheitsanwendungen. Wissenschaftliche, technologische und therapeutische Kompetenz seien dort unter einem Dach vereint. Die Studienleitung liegt bei PD Dr. Gitta Jacob, Leitung Forschung und Entwicklung. Zu den genannten Förderern zählen das Bundesministerium für Gesundheit, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das EU-Programm für Forschung und Innovation Horizon 2020 sowie der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses.
Hintergrundinformationen zu Typ-2-Diabetes
Die Website ergänzt die Studieninformationen um eine Einordnung der Erkrankung. Typ-2-Diabetes, umgangssprachlich auch Zuckerkrankheit genannt, ist die häufigste Diabetesform in Deutschland: Über 90 Prozent der Betroffenen haben diese Variante, was rund 8,7 Millionen diagnostizierten Fällen und schätzungsweise weiteren 2 Millionen unbekannten Fällen entspricht. Bei der Erkrankung reagieren die Körperzellen nicht mehr richtig auf Insulin, sodass Zucker im Blut bleibt und nicht zur Energiegewinnung in die Zellen gelangt. Neben Typ-2-Diabetes werden Typ-1-Diabetes als Autoimmunerkrankung, Schwangerschaftsdiabetes und seltene Sonderformen genannt.
Als Ursachen gelten meist eine Kombination aus genetischer Veranlagung, ungesunder Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel; zunehmend sind auch junge Menschen betroffen. Besonders problematisch sei Bauchfett wegen entzündungsfördernder Botenstoffe. Die Erkrankung verläuft oft über Jahre ohne spürbare Beschwerden. Als Anzeichen werden Müdigkeit, Schlappheit, Konzentrationsschwäche, depressive Verstimmungen und Infektionen genannt; starker Durst oder häufiges Wasserlassen seien sehr unspezifisch. Zur Kontrolle der Blutzuckerwerte wird unter anderem der CheckUp 35 beim Hausarzt erwähnt. Ein erhöhtes Risiko wird beschrieben bei Nüchternblutzucker ab 126 mg/dl (7,0 mmol/l), Blutzucker ab 200 mg/dl (11,1 mmol/l) zu einem beliebigen Zeitpunkt mit typischen Symptomen oder HbA1c ab 6,5 Prozent.
Die Therapie beginnt mit einer Umstellung des Lebensstils: gesunde Ernährung, Gewichtsreduktion und mehr Bewegung können den Blutzuckerspiegel deutlich verbessern; bereits kleine Änderungen können das Krankheitsrisiko senken oder das Fortschreiten verlangsamen. Reicht dies nicht aus, kommen blutzuckersenkende Medikamente zum Einsatz, später gegebenenfalls zusätzlich Insulin, da die körpereigene Insulinproduktion oft nachlässt. Langfristig kann Typ-2-Diabetes viele Organe schädigen und zu schweren Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschäden führen.
Online-Programm für Typ-2-Diabetes